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Photo by Azzam Qourti on Unsplash
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Bei uns Menschen sind Ameisen nicht besonders beliebt und wir empfinden diese mehrheitlich als Plagegeister. Die schwarze Gartenameise macht den liebevoll gepflegten Rasen kaputt und krabbelt auch noch in der Wohnung herum. Dann ist Ende Frieden und wir rücken den Insekten mit Gift zu Leibe. Wer bei Google nach «Ameisen» sucht, erhält Ergebnisse wie: Bekämpfen, vernichten, vertreiben, etc. Doch zurecht? Lassen Sie uns genauer hinschauen.

Allein in Europa sind 180 Arten bekannt, weltweit mehr als 12.500. Diese könnten unterschiedlicher nicht sein: Blattschneiderameisen schneiden Blätter, Weberameisen bauen Seidennester, Honigtopfameisen speichern Nahrung im Körper, Feuerameisen klauen alles aus anderen Ameisen-Nestern. In Sibirien lebt eine Art, welche bis zu -40° C aushält und in Australien leben einige Ameisen sogar unter Wasser in Teichen. Von weniger als einem Millimeter bis zu 7 cm Grösse ist alles dabei.

Die kleinen Tierchen vollbringen wahre Wunder. Die grösste bekannte Kolonie erstreckt sich über eine Länge von 5’760 Kilometern, entlang der Küste der italienischen Riviera bis in den Nordwesten Spaniens. Das sind mehrere Milliarden kleine Individuen, die alle gemeinsam leben. Ein Nest einer Blattschneiderameisen-Kolonie wurde mit 8 Meter Tiefe und 50 Quadratmeter Grundfläche vermessen. Wussten Sie, dass auch Ameisenstraßen unter Staus leiden? Doch die cleveren Tierchen sorgen vor und legen ihre Straßen zweispurig an. Wenn die Hauptspur ausgelastet ist, wird die Parallelspur verwendet. Die Königinnen der Kolonien werden zwischen 10 und 20 Jahren alt. Übrigens, eine Königin der schwarzen Gartenameise (Lasius niger) wurde über 29 Jahre gehalten.

Blattschneiderameisen (Atta und Acromyrmex) schneiden Blätter. Klingt logisch. Doch wozu?
Die Ameisen leben mit einem Pilz in einer obligatorischen Symbiose, d.h., die Ameisen «füttern» den Pilz mit Blattstücken und hegen und pflegen diesen. Als Gegenleistung ernähren sich die Ameisen von dem Pilz. Wenn eine neue Königin geboren wird, nimmt diese ein kleines Stück des Pilzes auf ihren Hochzeitsflug mit und gründet damit eine neue Kolonie mit dem neuen Pilz.

Honigtopfameisen (Myrmecocystus) leben in Halbwüsten. Da kann es schon mal passieren, dass das Nahrungsangebot knapp wird. Gerade im Sommer gibt es in ihrem Lebensraum keine Honigtau-liefernden Insekten. Doch die clevere Ameise weiß sich zu helfen. Einige Ameisen nehmen so viel Nahrung zu sich, dass ihr Kropf und Ihr Gaster auf Erbsengrösse anschwellen. Diese Arbeiterinnen hängen tief unter der Erde von der Decke herab und sind nicht mehr fähig, sich fortzubewegen. Andere Arbeiterinnen putzen und pflegen die «Honigtöpfe». Die «Honigtöpfe» geben bei Bedarf Nahrung an ihre Artgenossen ab, um karge Zeiten zu überstehen.

Selbst die kleine schwarze Gartenameise ist etwas ganz Besonderes. Diese betreiben Trophobiose, d.h., die Ameisen «melken» den Honigtau von den Blattläusen. Im Gegenzug beschützen die Ameisen die Blattläuse vor Feinden. Auch Wurzelläuse werden auf diese Art gemolken und beschützt. Darum hocken die Tierchen in Ihrem Rasen und fühlen sich pudelwohl. Die Ameisenart wurde auch schon in riesigen Schwärmen beobachtet, die wie Rauchwolken schienen, wenn diese zum Hochzeitsflug gestartet sind.

Ameisen lassen sich hervorragend zuhause halten, besonders diese Garten-Ameisen. Wenn diese abhauen sollten, schädigen sie nicht die Flora und Fauna als Invasoren. Im Internet gibt es zig Webseiten und Erfahrungsforen zum Austausch. Die Welt der Ameisen ist ein spannendes Thema für Groß und Klein. Lassen Sie sich dazu unbedingt beraten, damit sich Ihre Ameisen wohl fühlen und nur innerhalb des Gefässes leben und sich nicht in der ganzen Wohnung verteilen. Das wäre sicherlich nicht gewollt.

Wenn Sie das nächste Mal die fleissigen Tierchen sehen, betrachten Sie diese einmal mit anderen Augen. Und vielleicht lassen Sie die Tiere in der hinteren Ecke im Garten in Frieden und beobachten diese, anstatt sie zu vertreiben.

Die Welt ist voller Wunder. Wir müssen nur hinschauen.

Disclaimer:
Die Beiträge bilden nur meine Meinung ab. Sie haben Ihre eigene – grossartig! Wir können alle Freunde sein.

Mein Buchtipp: Dieser Bestimmungsführer porträtiert rund 400 europäische Ameisenarten, -gattungen und -unterfamilien. Die einzelnen Porträts umfassen jeweils eine detaillierte Beschreibung der Tiere, ihrer Lebensweise und Lebensräume, machen auf mögliche Verwechslungsarten aufmerksam und erläutern, wo man sie im Gelände am besten finden kann.*:

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