Du betrachtest gerade Was hilft mir, wenn ich im Shutdown bin? – Meine Anker
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Es ist wieder passiert, ich bin im Shutdown. Alles ist wie im Nebel, ich bin nicht ansprechbar, meine Gedanken rasen wie wild, alles ist zu viel. Hilfe!

Was hilft mir wirklich, wenn ich im Shutdown gefangen bin? Jetzt benötige ich Ruhe, sehr viel Ruhe. Jedes Ansprechen ist ein weiterer Reiz, der sich tief in mich hineinbohrt. Auch Berührungen fühlen sich jetzt schmerzhaft an und reizen mich unendlich. Selbst kalte oder warme Luft schmerzt auf der Haut, Licht brennt in den Augen. In diesem Momenten fühle ich mich in Jeans oder einem Hemd eingeengt, ich kriege keine Luft mehr. Oftmals bin ich nicht mehr in der Lage zu sprechen, es funktioniert nicht mehr. Auch Worte nehme ich nur noch wahr, die Bedeutung ist mir oft nicht mehr bewusst. Wenn ich jetzt gefragt werde, was ich brauche, kann ich dies nicht beantworten. Ich weiss es in diesem Moment schlicht nicht. Ich will nur noch meine Ruhe haben und will in Sicherheit.

Am Besten ziehe ich die Hose und das Hemd aus und tausche es gegen etwas Kuschliges. Etwas, was mir Sicherheit, Platz und Wärme gibt. Komisch ist, dass ich mich in diesen Momenten am liebsten auf den harten Boden setze. Ein krasser Gegensatz, doch ist es so. Blöderweise ertrage ich in diesem Zustand keine Kopfhörer, selbst meine Brille kann ich nicht mehr aufhaben und den Ehering muss ich abnehmen. Ich kann also nichts Beruhigendes anhören und muss irgendwie mit den Geräuschen in der Welt klarkommen. In diesen Momenten hört sich mein Herz viel zu laut an und das eigene Atmen reizt mich. Jetzt heisst es einfach nur: Warten und nochmals warten.

Sobald das Schlimmste überstanden ist, knuddle ich mich ins Bett. Das meine ich auch so: Die Decke wird wie ein Schlafsack präpariert, eine zweite Decke ziehe ich mir über meinen Kopf. Jetzt kann ich langsam herunterfahren. Vielfach geht es am nächsten Tag, doch sehr oft hält der Zustand ein bis zwei Tage an. Wenn ich sehr gestresst bin, kann sich das bis zu einer Woche hinziehen. Eigentlich müsste ich während dieser Zeit jede Menge Entspannung und Ruhe haben. Doch leider erledigen sich Einkäufe nicht von selbst, Geld kommt auch nicht einfach so am Bett vorbei. Also heisst es: Raus in diese Welt, auch wenn ich noch halb im Shutdown bin und gar nicht richtig funktioniere. Da ich allerdings nach wie vor sehr gut im Schauspielern bin, merken Sie es mir nicht an. Sie denken, ich hätte nichts, obwohl ich innerlich gerade zerbreche. 

In diesem Sinne, geniessen Sie das Leben. Es könnte auch anders sein.

Disclaimer:
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