You are currently viewing 19 Monate. Ein Rückblick.
Flughafen Hamburg im Frühling 2020 - Foto by Roger Kern
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Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes. Im Gegenteil. Mir ist etwas widerfahren, was man keinem Mitmenschen wünscht.

Stellen Sie sich vor, Sie werden vom Staat über 10 Wochen von Ihrem Partner getrennt. Und das nur, weil dieser nicht im selben Land wohnt, wie Sie. Und Sie wissen nie, wann Sie sich wiedersehen dürfen. Jeden Tag schauen Sie gebannt die Nachrichten. Während der 10 Wochen weinen Sie. Jeden Tag. Denn es findet kein Ende. Sie werden einfach allein gelassen, obwohl die Behörden etwas anderes versprochen haben. Wissen Sie noch? “Wir lassen Euch nicht im Stich.”.

Eine Lüge. Eine dreiste Lüge. Mich und meine Frau haben sie schmächlich im Stich gelassen. Insgesamt nun schon 19 Monate. Und es wird nicht besser. Nein, man muss sich immer neuen Verordnungen unterwerfen.
Mehr noch: Ihr Staat, für welchen Sie mehr als 1’400 Tage lang im Militärdienst gestanden haben, grösstenteils freiwillig, teilt Ihnen in einer Pressekonferenz mit, dass Sie zu einer Minderheit gehören. Auf diese könne man keine Rücksicht nehmen. Das sei halt so. Ein Schlag mitten ins Gesicht.

Und Sie fragen sich: Was habe ich diesem Staat angetan, dass er mich von meiner Partnerin trennt? Warum wird mir mein liebster Mensch in einer Pandemie einfach weggenommen? Als ob die paar binationale Paare Pandemietreiber wären.
Fiktion? Nein. Bittere Realität.

Und das war erst der Anfang.

Sie haben während 19 Monaten jeden Tag Angst, dass Ihnen Ihr Partner erneut weggenommen wird, dass Sie wieder zwangsgetrennt werden. Bei jeder Pressekonferenz des Bundes oder einer des Nachbarstaates. Täglicher Terror. Wochen-, ja monatelang.

Sie werden nach Monaten plötzlich mit Stäbchen, welches Ihnen in die Nase gebohrt wird, vergewaltigt. Vorher ging das einwandfrei ohne Testerei. Nun werden Sie gezwungen.

Sie müssen sich an der Grenze jedes Mal bis auf die Unterhose entblössen und den Grenzbeamten “glaubhaft” versichern, dass Sie nicht zum Vergnügen 870 Kilometer weit reisen, sondern nur, um Ihren Partner zu sehen. Sie stehen mit einem Aktenordner voller Dokumente und Unterlagen an der Grenze und zittern und flehen, dass Sie von den Grenzbeamten durchgelassen werden.

Sie erleben, dass ein Mann vor Ihnen an der Grenze abgewiesen wird, weil er seine Eheurkunde als Kopie dabei hat – und nicht als Original. “Das steht so in der Verordnung”, erwidert der Beamte. Der Mann wendet sich ab und schaut mich an. Ich sehe diese Leere und Ungläubigkeit in den Augen. In diesem Moment ist in dem Menschen etwas zerbrochen. Dieser Mann wird nie wieder derselbe sein. Dann bin ich an der Reihe. Vor lauter Angst, dass ich zurück muss, kann ich nicht sprechen und deute hilflos auf meine Unterlagen hin. Ich habe Tränen in den Augen. Der Beamte lässt mich durch. Ich darf – der andere Mann nicht. Oft frage ich mich, was aus dem Menschen geworden ist.

Später erlebe ich, wie ein Mann an der Grenze von Grenzbeamten aus den paar Reisenden herausgefischt wird. “Was tun Sie hier?”, fragt der Grenzbeamte. “Ich möchte zu meinem Lebenspartner”, antwortet dieser. “Zeigen Sie mir Ihre Unterlagen”. Der Mann zeigt bereitwillig die Dokumente. Er ist gut vorbereitet und hat einen grossen Aktenordner dabei. “Da sieht man nicht, dass Sie ein Paar sind. Das muss schon eindeutiger sein.”. Mit hochrotem Kopf zückt der Mann sein Handy und zeigt private Fotos. “Na also, geht doch!”. Mit einem mulmigen Gefühl gehe ich weiter. Was passiert hier gerade?

Klar, es waren nicht alle Grenzbeamten so. Im Gegenteil. Wenn nur 10 Personen an der Security stehen, findet man Zeit für einen Plausch. Da erfährt man die tollsten Dinge und erkennt den Menschen in der Uniform. Man lacht sogar. Diese Geschichten wären wohl etwas für einen weiteren Blog-Eintrag. Man erfährt Storys von Flugbegleitern, wenn in einer Ferien-Büchse gerade einmal 30 von 140 Personen sitzen. Man hat ja Zeit. Und auf die Geschichten dieser Menschen kommt man selbst als Vielreisender nicht. Auch beschleicht einen ein komisches Gefühl, wenn man mutterseelenallein über den Frankfurter Flughafen schlendert. Man kennt ja das Gegenteil, alle stehen sich auf den Füssen und wuseln herum. Im Mai 2020 waren wir gefühlt zu zehnt dort, davon waren acht Beamte. Immer freundlich und hilfsbereit. Es sind die negativen Eindrücke, die bleiben.

Doch zurück zum eigentlichen Thema des Beitrages.
Wissen Sie, wie es ist, von Ihrem liebsten Menschen Abschied zu nehmen, ohne zu wissen, wann Sie diesen wiedersehen? Ich schon. Während Monaten hielten wir uns weinend vor der Sicherheitsschranke in den Armen. Sehen wir uns wieder? Werden wir wieder getrennt? Einfach so? Nur, weil wir uns über die Grenzen hinweg lieben? Wie oft wollte ich meinen Engel einfach wieder mit nach Hause nehmen. In Sicherheit. Doch ihre Familie lebt nicht in meinem Land.

Jeden Tag müssen Sie auf die Gnade der Behörden hoffen. Staatlich verordneter Terror. Tagtäglich.

Erinnern Sie sich an den Anfang der Pandemie? In der Schweiz war Einkaufen im Ausland unter Strafe verboten. Bei der Zollabfertigung wurde sämtliches Gepäck von 30 Passagieren durch 12 Zollbeamte durchleuchtet und kontrolliert. Die Bemerkung, dass sich das Virus wohl nicht im Koffer verstecke, bereitet Ihnen das Vergnügen, all Ihre Habseligkeiten auf einem Tisch auszubreiten. Mein Tipp: Mund halten und sich nur wundern. Inzwischen ist der Einkauf im grenznahen Ausland wieder erlaubt. Ohne Test versteht sich. Aber nur aus bestimmten Kantonen in bestimmten Bundesländern. Anders ausgedrückt: Drei Stunden Autofahrt um Weisswürste einzukaufen ist ohne Test in Ordnung, eine Stunde Flug um seine Ehefrau zu sehen nicht. Dieses Beispiel zeigt die anhaltende Hilflosigkeit unserer Regierung.

Nach 19 Monaten könnte ich meine nunmehr Ehefrau ohne Auflagen sehen. Wenn wir denn beispielsweise in Basel und in München wohnen würden. Tun wir aber nicht. Wir leben in Hamburg und im Emmental – und werden weiter schikaniert. Einfach so. Weil die Behörden es können. Weil sie nicht zu Ende denken. Das Paradoxe, wenn man die Behörden anschreibt, ist immer dieselbe Antwort: Wir können auf eine Handvoll Menschen keine Rücksicht nehmen. Aber eine Handvoll Menschen sind doch keine Pandemietreiber, oder? Also könnte man die Interessen dieser paar Menschen berücksichtigen. Tut man aber nicht. Warum? Es interessiert die Verantwortlichen nicht.

Die Anfrage, ob wir wenigstens vom Folgetest nach 4 bis 7 Tagen befreit werden, da wir keinerlei Vergnügungsreisen unternehmen, wurde wie folgt beantwortet:
“Danke für Ihre Nachricht. Da mittlerweile alle impfwilligen Personen die Gelegenheit haben, sich impfen zu lassen, können wir leider keine Ausnahmen mehr geltend machen. Sie müssten sich also entweder jedes Mal testen lassen oder Sie ziehen die kostenlose Impfung in Betracht.” Keine Nachfrage, ob wir uns überhaupt impfen lassen können. Keine Nachfrage, warum wir uns nicht geimpft haben. Es ist ihnen egal.

Mir ist es nicht egal. Darum habe ich unsere Kunden-Seminare komplett aus dem Programm genommen. Ich diskriminiere nicht. Ich bin kein Täter. Bei mir sind alle Menschen gleich. Egal, ob Frau, Mann, Divers, Homo, Hetero, Schwarz, Weiss, Rot, Emo, Grufti, Punk, kurz, lang, dick, dünn, alt, jung, usw. usf. Ich werde in ein paar Jahren sagen können, dass ich bei der Diskriminierung nicht mitgemacht habe. Auch, wenn es mich sehr viel Geld gekostet hat. Es entspricht nicht meinen Werten, jemanden vor der Türe stehen zu lassen, nur weil er in den Augen der Behörden minderwertig ist.

Ach ja, kostenlos ist ja wohl ein Hohn. Wie war das nochmal mit Steuern, Abgaben, Gebühren und dergleichen? Doch mit solchen Personen zu diskutieren ist wie mit einer Taube Schach zu spielen: Sie können die besten Schachzüge ausführen. Die Taube wird nur herumstolzieren, Ihre Figuren umschmeissen und auf das Brett kacken. Einfach sinnlos. Zeitverschwendung. Und meine Lebenszeit ist begrenzt.

Besserwisser können jetzt sagen: Zieht doch einfach zusammen. Ja. Während einer Pandemie. Und unsere Mitarbeiter sollen wir in der Not allein lassen? Die Firmen schliessen? Wer so denkt und argumentiert, ist ein Egoist. Nein. Meine Frau und ich sind nicht so. Wir sind anders. Nicht besser. Nur anders.
Und bevor jemand kommt und sagt, dass ich das Virus verharmlose: Darüber steht keine Silbe im Text. Es geht hier allein um gesunden Menschenverstand, Willkür, Diskriminierung und Machtmissbrauch.

Nein, diese Erfahrungen wünsche ich niemandem. Und ich bin froh, wenn Sie das nicht kennen, denn für uns ist noch kein Ende in Sicht.

Disclaimer:
Die Beiträge bilden nur meine Meinung ab. Sie haben Ihre eigene – grossartig! Wir können alle Freunde sein.

Zeitweise hatte ich das Gefühl, ich bin an einem verlassenen Ort*:

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